Artikel Veröffentlicht am:
„Fachkräftesicherung, KI und Bürokratieabbau sind Hebel, die gemeinsam angepackt werden müssen“
Der Chef der Hessischen Staatskanzlei und Vorsitzende des Kabinettsausschusses Staatsmodernisierung und Digitalisierung, Staatssekretär Benedikt Kuhn, erläutert im Interview, warum Hessen auf eine kombinierte Strategie aus Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Entbürokratisierung setzt, um die Landesverwaltung attraktiv, modern und zukunftsfest aufzustellen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Arbeitgeber Land Hessen in den nächsten Jahren?
Die öffentliche Verwaltung steht heute vor großen Zukunftsthemen: Der demografische Wandel, die digitale Transformation sowie sich verändernde Anforderungen und Erwartungen an einen modernen Staat eröffnen Chancen, innovative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Fachkräftegewinnung, der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und Bürokratieabbau bieten dem Land Hessen dabei starke Hebel, die nicht nur die Handlungsfähigkeit sichern, sondern auch die Effizienz und Attraktivität der öffentlichen Verwaltung nachhaltig steigern werden – eine spannende Aufgabe, die gleichzeitig viel Potenzial birgt.
Wie kann die Verwaltung angesichts des demografischen Wandels Fachkräfte gewinnen?
Zunächst einmal die gute Nachricht: Der öffentliche Dienst ist für viele Menschen attraktiv. Wir zeigen aber auch sehr deutlich, dass wir attraktiv sind. Mit unserer Dachmarke „Arbeitgeber Land Hessen – Chancen so vielfältig wie das Land“ werben wir seit drei Jahren um den notwendigen Nachwuchs. Auch unsere Behörden sind aktiv und sprechen junge Leute an. So wirbt zum Beispiel die hessische Polizei mit Cop-Influencern in den sozialen Medien für ihre Arbeit.
Ansprache ist jedoch nicht alles. Was zeichnet einen guten Arbeitgeber heute aus?
Wir gestalten unsere Arbeitswelt aktiv so, dass nicht nur die Aufgabe interessant und erfüllend ist, sondern auch der Rahmen passt: gezielte Weiterbildungsangebote, eine moderne Ausstattung und Gestaltung des Arbeitsplatzes, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gesundheitsförderung, flexible Arbeitszeitmodelle und eine wertschätzende Führungskultur. Genau diese Themen stehen auch im Fokus unseres Fachkongresses „Forum Personal und Demografie“ – hier tauschen sich Verantwortliche aus dem Personalmanagement aller Ressorts aus und nehmen neue Impulse mit, um gemeinsam stetig besser zu werden.
Wie kann KI helfen, die Auswirkungen des demografischen Wandels im öffentlichen Dienst zu bewältigen?
KI kann ein echter Gamechanger sein. Seit 2019 treiben wir mit unserem Digitalministerium auch die Digitalisierung der Verwaltung voran. Mit dem Einsatz von KI können wir Mitarbeitende besonders von Standardaufgaben entlasten und somit Kapazitäten gewinnen. KI hat auch das Potenzial, das Image der Verwaltung zu verändern: Statt Bürokratie und lange Prozesse stehen dann Flexibilität und Innovation im Vordergrund. Ein konkretes Beispiel: Die hessische Steuerverwaltung setzt künftig den selbst entwickelten KI-Chatbot „Maxi“ ein. Er unterstützt die Beschäftigten, indem er Steuersachverhalte rechtssicher aufbereitet und mit der aktuellen Gesetzeslage abgleicht – so bleibt mehr Zeit für die inhaltliche Arbeit.
Sie nennen Entbürokratisierung als dritten Hebel – was steckt konkret dahinter?
Entbürokratisierung ist eng verbunden mit KI und Digitalisierung: Ob bei Anträgen, Datenabfragen oder Auswertungen – mit smarten Lösungen fallen überflüssige Hürden weg. Aber Hessen denkt hier mit der Ernennung eines Ministers für Entbürokratisierung weiter. Die Landesregierung hat das erste Bürokratieabbaugesetz Hessens auf den Weg gebracht – ein wichtiger Schritt hin zu einer schnelleren, einfacheren und bürgerfreundlichen Verwaltung. Dafür haben wir nicht nur die Ideen der Fachressorts aufgenommen, sondern auch Impulse aus dem Bündnis gegen Bürokratie, dem hessischen Bürokratie-Melder, dem Weißbuch der Kammern sowie einem ressortübergreifenden Normenscreening. Am Ende profitieren alle: Bürger, Unternehmen und die Verwaltung selbst. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist das ein entscheidender Faktor, um staatliches Handeln effizient zu gestalten.
Wie stellen Sie sich die hessische Landesverwaltung im Jahr 2035 vor?
Die Verwaltung der Zukunft ist schlank, digital und bürgernah – und genau darauf arbeiten wir hin. Mit KI, Entbürokratisierung und einer modernen Personalpolitik schaffen wir eine Verwaltung, die nicht nur funktioniert, sondern auch überzeugt und Vertrauen in den Staat schafft. Auch in zehn Jahren wollen wir so mit engagierten Beschäftigten einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger Hessens bereitstellen – gestärkt durch innovative Lösungen, kluges Ressourcenmanagement und die Chancen des demografischen Wandels.