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Internationale Fachkräfte für Thüringen – Wie die ThAFF Wirtschaft und Talente verbindet
Der Fachkräftemangel hemmt seit einigen Jahren merklich die Wirtschaftsentwicklung des Freistaats Thüringen. Vor dem Hintergrund der deutlichen Auswirkung des demografischen Wandels auf den Thüringer Arbeitsmarkt wird verstärkt um internationale Arbeits- und Fachkräfte geworben. Hierbei unterstützt die Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung (ThAFF) seit Jahren die Akteure im Land als Netzwerkknoten und Beratungsinstanz bei Anwerbung und Bindung internationaler Fachkräfte und Auszubildender.

Besuch einer Thüringer Unternehmensdelegation in einer Sprachschule in Kochi, Indien, Mai 2025 – unter Beteiligung der ThAFF.
Als Teil der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG Thüringen) kann die ThAFF dabei auf ein großes Unternehmensnetzwerk zugreifen. Auch steht sie im engen Austausch mit dem ebenfalls bei der LEG angesiedelten Pilotprojekt „German Professional School“, das Personen aus Drittstaaten auf eine qualifizierte Ausbildung in Thüringer Unternehmen vorbereitet.

Die Aktivitäten der ThAFF beruhen dabei auf den Zielstellungen und Handlungsansätzen der Thüringer Allianz für Berufsbildung und Fachkräfteentwicklung. Dieser Zusammenschluss aus relevanten Thüringer Landesministerien, Kammern, Sozialpartnern und der zuständigen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit verantwortet die Fachkräftestrategie des Freistaates (aktuelle Fassung: 2021 bis 2025; derzeit wird die neue Strategie für 2026 bis 2030 erarbeitet).
Grundlegend stellt die Strategie fest, dass sich der Thüringer Arbeitsmarkt mit Blick auf die Bedarfe an Fachkräften bereits in einer Mangelsituation befindet. Neben weiteren endogenen Potenzialen, die zu heben sind, zielt die Strategie darauf ab, die Internationalisierung des Thüringer Arbeitsmarktes weiter voranzutreiben. Insbesondere exogene Potenziale – folglich Personen, die zum Arbeiten und Leben nach Thüringen kommen – können einen Beitrag dazu leisten, die offenen Bedarfe der Thüringer Wirtschaft zu decken.
Vor dem Hintergrund breit angelegter und zahlreicher Aktivitäten zur Anwerbung hat sich die Allianz ergänzend zur Fachkräftestrategie auch Empfehlungen für „Qualitätsstandards“ bei der Anwerbung und Vermittlung von Auszubildenden und Arbeitskräften aus dem Ausland gegeben. Die Einhaltung dieser Standards soll eine transparente und nachhaltige Gewinnung im Sinne aller Beteiligten gewährleisten. Dieses Bekenntnis zu fairen Verfahren ist auch Grundlage der Arbeit der ThAFF und wird in allen staatlich unterstützten Maßnahmen vorausgesetzt.
Im Rahmen einer Vielzahl von – zum Teil geförderten – Aktivitäten zur Gewinnung und Bindung internationaler Personen für den Thüringer Arbeitsmarkt ist die ThAFF unterstützend, beratend, koordinierend oder vermittelnd tätig.
Pflege-Azubi-Richtlinie
Die Richtlinie regelt die Gewährung von Zuschüssen aus Mitteln des Freistaats Thüringen zur Gewinnung von Auszubildenden aus Drittstaaten für eine qualifizierte, berufliche Ausbildung zur Pflegefachkraft (Pflege-Azubi-Richtlinie). Damit fördert das Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie notwendige Ausgaben zur Gewinnung und Vorbereitung dieser Personen. Die Förderung beträgt 5.000 Euro pro Auszubildendem als Festbetrag. Antragsberechtigt sind Unternehmen, Einrichtungen und Dienste der Pflegebranche mit Sitz in Thüringen.
Die Thüringer Unternehmen haben dabei die Wahl, als sogenannte Eigenerbringer die Gewinnung aus Drittstaaten selbst umzusetzen oder Dienstleister damit zu beauftragen. In beiden Fällen müssen sich Unternehmen oder Dienstleister hinsichtlich ihrer Eignung durch die ThAFF als Dienstleister im Sinne der Richtlinie anerkennen lassen. Mittels dieses Verfahrens können die in den Qualitätsstandards implementierten Maßstäbe der transparenten, fairen und nachhaltigen Anwerbung im Zuge der Richtlinie umgesetzt werden.
Staatlich geförderte Gewinnungsprojekte in Thüringen
Durch die Thüringer Fachkräfte- und Weiterbildungsrichtlinie fördert der Freistaat mehrere Projekte zur Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften für den Thüringer Arbeitsmarkt. Die Träger werben in ausgewählten Branchen und Zielländern interessierte Personen aus dem Ausland für Thüringer Unternehmen an. Die ThAFF verantwortet dabei die Kommunikation zwischen den Projekten zur besseren Vernetzung und berät die Träger in Fragen von Aufenthalt, Anerkennung sowie der Bedarfe des Arbeitsmarktes und der Möglichkeiten des Thüringer Netzwerks. Zielländer der Gewinnungsprojekte sind in der aktuellen Förderphase unter anderem Vietnam, Usbekistan und die Mongolei.

Die Ziel- bzw. Quellländer der von Thüringen geförderten Gewinnungsprojekte.
Projekt zur Gewinnung von vietnamesischen Pflegefachkräften
Der Freistaat Thüringen arbeitet seit eineinhalb Jahren an der strukturellen Rekrutierung bereits in Vietnam ausgebildeter Pflegefachkräfte. Hierfür wurden die Curricula der Thüringer Seite und die Pläne verschiedener vietnamesischer Ausbildungsinstitutionen verglichen, um auf dieser Basis gemeinsam mit einem Kooperationspartner in Vietnam qualifizierte Fachkräfte über ein Pilotprojekt anzuwerben. Die ThAFF koordiniert und berät die Arbeitsgruppe, unterstützt die Umsetzung der notwendigen Arbeitsschritte und erfasst die Bedarfe der Thüringer Gesundheitswirtschaft. Zudem bereitet die ThAFF die Vorgehensweise in diesem Projekt als Blaupause auf, die auch für weitere Projekte in anderen Ländern und Branchen genutzt werden kann.
Zusammenarbeit mit überregionalen Akteuren
Neben den thüringenspezifischen Initiativen profitieren die Unternehmen in Thüringen auch von den bundesweit agierenden Anwerbeprojekten. Beispielsweise arbeitet die ThAFF als Kooperations- und Koordinierungspartner mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) zusammen. Angesichts der kleinteiligen Struktur der Thüringer Wirtschaft werden über diesen Weg die Bedarfe nach Auszubildenden gemeinschaftlich gesammelt und etwa für das Projekt „Ausbildungspartnerschaft mit Lateinamerika“ (APAL) zusammengefasst. In diesem Kontext kann die ThAFF direkt an ein bereits selbst umgesetztes Anwerbeprojekt mit Auszubildenden für die Pflege aus El Salvador anknüpfen, das in die APAL-Strukturen überführt wurde.
Daily Business
Darüber hinaus unterstützt die ThAFF direkt Unternehmen sowie Bewerberinnen und Bewerber mit einer gezielten (Verweis-)Beratung zu allen Fragen rund um die Themen „Arbeiten und Leben in Thüringen“.
So agiert sie einerseits als „Welcome Center Thuringia“ für alle Fragen (potenzieller) Bewerberinnen und Bewerber und bietet andererseits zahlreiche Services für die Thüringer Unternehmen. Dazu zählen neben der Thüringer Stellen- und Bewerberbörse, einem Kontaktguide und einem vielseitigen Veranstaltungskalender auch umfassende Informationsangebote über die relevanten Fragen zu Anwerbung und Bindung internationaler Fachkräfte.
Fazit
Die Internationalisierung des Arbeitsmarktes im Freistaat wird nicht zuletzt durch die Unterstützung der ThAFF und die Bedarfe der Thüringer Unternehmen vorangetrieben.

Die steigende Anzahl internationaler Beschäftigter auf dem Thüringer Arbeitsmarkt von 2015 bis 2024.
Die ThAFF bringt ihre Erfahrung in das Netzwerk ein und fördert den Wissenstransfer zwischen den Partnern – ein kontinuierliches Lernen voneinander bildet eine solide Basis für die Zukunft. Mit einer klaren Strategie, starken Netzwerken und praxisnaher Unterstützung können erfolgreich Fachkräfte gewonnen werden. Dennoch bleibt die Deckung des Fachkräftebedarfs eine zentrale Herausforderung. Besonders bei der Integration in Gesellschaft und Betrieb, der Anerkennung von Qualifikationen und dem Erwerb ausreichender Sprachkenntnisse sind weiterhin gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten in Thüringen erforderlich.