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Meldung Veröffentlicht am: Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum

ThüringenZukunftspreis für Leerstandsbelebung verliehen

Ein ehemaliges Rittergut in Bad Köstritz, der historische Bahnhof in Bad Salzungen und ein früheres Pfarrgut in Blankenhain sind die Gewinner des in diesem Jahr erstmals vergebenen „Thüringer Zukunftspreises für Leerstandsbelebung“. Landwirtschaftsstaatssekretär Marcus Malsch zeichnete die drei Projekte im Rahmen des 3. „Dorf- und Landgesprächs“ der Akademie Ländlicher Raum (ALR) in Bad Frankenhausen aus.

Insgesamt waren 29 Bewerbungen für den von der ALR ausgelobten Wettbewerb „Neues Leben. Alte Räume.“ eingegangen.

Den mit dem ersten Platz ausgezeichneten Lavendelhof in Bad Köstritz nannte der Staatssekretär ein gelungenes Beispiel dafür, wie lange ungenutzte Gebäude erfolgreich neue Perspektiven bekommen könnten. „Leerstand ist natürlich eine Herausforderung – bietet aber immer auch Entwicklungsmöglichkeiten“, sagte Malsch. „Wir sollten Leerstand stärker als ‘Chancenraum’ begreifen. Ein leerstehendes Haus kann wieder zum Zuhause einer Familie, zu altersgerechtem Wohnraum, zu einem Ort für Arbeit, Versorgung oder Begegnung werden. Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie aus alten Gebäuden neue Lebensorte und damit ein Stück Zukunft für das ganze Dorf entstehen können.“

Die Preisträger im Überblick:

1. Platz: Lavendelhof Bad Köstritz (Preisgeld: 5.000 Euro)

Das seit längerer Zeit leerstehende Rittergut in Pohlitz wurde seit 2021 umfassend energetisch und nachhaltig saniert und zu einem Ort für Wohnen, Arbeiten, regionale Versorgung und Begegnung entwickelt. Entstanden sind sechs Wohnungen, zwei Ferienzimmer, ein Hofladen mit regionalen Produkten, ein EU-zertifiziertes Schlachthaus sowie eine Kulturscheune für Veranstaltungen. Damit trägt das Projekt zur Belebung des Dorfkerns bei und verbindet Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaft an einem Ort.

2. Platz: Bahnhof Bad Salzungen (Preisgeld: 4.000 Euro)

Mit der Sanierung und Umnutzung des historischen Bahnhofs und seines Umfelds sind 13 moderne, barrierearme und sozial verträgliche Wohnungen entstanden. Das Projekt verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz mit zeitgemäßem und bezahlbarem Wohnen und gibt einem markanten, lange ungenutzten Gebäude eine neue Funktion als lebendigem Ort im Stadtgefüge.

3. Platz: Pfarrkeßlar bei Blankenhain (Preisgeld: 3.000 Euro)

Das ehemalige Pfarrgut wurde zu einem gemeinschaftlichen Wohn- und Arbeitsort weiterentwickelt. Auf rund 1.000 Quadratmetern Wohnfläche sind gemeinschaftliche Wohnmöglichkeiten entstanden; hinzu kommen ein Tischlereibetrieb, ein Seminarhaus sowie Räume für Begegnung und Lernen. Die Sanierung wurde zu großen Teilen mit privaten Mitteln und in Eigenleistung umgesetzt und orientiert sich an hohen ökologischen Standards.

Neben den drei Hauptpreisträgern wurden zehn weitere Projekte mit Sonderpreisen von jeweils 500 Euro ausgezeichnet. Insgesamt standen für den Wettbewerb Preisgelder von 17.000 Euro zur Verfügung. Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Beirats der Akademie Ländlicher Raum hatte die eingereichten Projekte unter anderem nach Innovationsgrad, Nachhaltigkeit sowie ihrer Wirkung auf Wohnraumschaffung und Gemeinschaft bewertet.

„Entscheidend ist, dass es nicht für jedes Dorf dieselbe Standardlösung gibt“, sagte Malsch weiter. „Wir müssen jeweils vor Ort fragen: Was brauchen die Menschen tatsächlich? Welche Angebote fehlen jungen Leuten oder Familien? Was brauchen ältere Menschen, damit sie möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben können?“ Gerade in ländlichen Räumen müssten Wohnen, Versorgung, Mobilität, Begegnung und soziale Infrastruktur künftig viel stärker zusammengedacht werden.

Die Zukunft des Wohnens auf dem Land war zugleich Thema des 3. Dorf- und Landgesprächs unter dem Titel „Gutes Wohnen für Jung und Alt. Im Dorf.“ Dabei standen konkrete Beispiele für neue Wohnformen und die Frage im Mittelpunkt, wie bestehende Gebäude besser genutzt werden können. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Kommunen und Projektträgern sowie Bürgerinnen und Bürger diskutierten darüber, welche Rahmenbedingungen gebraucht werden, damit aus guten Ideen am Ende auch tragfähige Lebens- und Wohn-Projekte entstehen.

Bedarfsgerechte Lösungen müssten vor Ort entwickelt werden, betonte Malsch. Dafür sei das Zusammenspiel von Kommunen, Wohnungswirtschaft, Eigentümern, sozialen Trägern, Projektentwicklern und Bürgerschaft entscheidend. Aufgabe des Landes sei es, geeignete Rahmenbedingungen für neue Entwicklungen zu schaffen und solche Prozesse zu unterstützen.

Diesen Ansatz verfolgt auch die neue Dorfentwicklungsstrategie „Dorf imPULS“ des Landwirtschaftsministeriums. Ziel ist es, gemeinsam mit den Menschen vor Ort passgenaue Lösungen für die Zukunft ihrer Dörfer zu entwickeln und vorhandene Angebote stärker zu bündeln. Einen Schwerpunkt sollen dabei multifunktionale Dorfzentren bilden, die – abhängig vom örtlichen Bedarf – beispielsweise Nahversorgung, Gesundheits- und Beratungsangebote, Mobilität, Verwaltung, Vereinsleben und soziale Treffpunkte miteinander verbinden. Vorgesehen ist zudem, Kommunen durch qualifizierte Prozessbegleiter bei der Entwicklung und Umsetzung solcher Vorhaben zu unterstützen. Erste Pilotprojekte werden Anfang 2027 starten.

„Dorfentwicklung funktioniert am besten dort, wo die Menschen selbst die Initiative ergreifen und ihre Ideen einbringen“, sagte Malsch. „Das Land kann unterstützen, beraten und fördern. Aber die entscheidenden Impulse entstehen vor Ort. Genau diese Verbindung aus Eigeninitiative, Zusammenarbeit und passender Unterstützung wollen wir mit ‘Dorf ImPULS’ weiter stärken.“

Hintergrund

Die „Akademie Ländlicher Raum“ ist eine Einrichtung des Thüringer Landwirtschaftsministeriums. Mit ihren Dorf- und Landgesprächen bringt sie Kommunen, Initiativen, Fachleute und Bürgerinnen und Bürger zusammen, um konkrete Fragen der Entwicklung des ländlichen Raums anhand praktischer Beispiele zu diskutieren. Das 1. Dorf- und Landgespräch im Februar 2026 in Schweina stand unter dem Titel „Vom Leerstand zum Lebensraum“ und widmete sich der Nachnutzung leerstehender Gebäude als Begegnungsorte und Impuls für die soziale Dorfentwicklung. Beim 2. Dorf- und Landgespräch im Juni in Heilbad Heiligenstadt standen energetische Sanierung, nachhaltige Energieversorgung und Bürgerenergiegenossenschaften im Mittelpunkt. Das heutige 3. Dorf- und Landgespräch in Bad Frankenhausen befasste sich mit zukunftsorientierten und bedarfsgerechten Wohnformen sowie der Belebung leerstehender Gebäude.

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