Artikel Veröffentlicht am:
Fachkräftegewinnung in Bremen: Neue Arbeitsmarktstrategie 2025–2027
Bremen sieht sich im Kontext von Demografie, digitalem Wandel und Fachkräftebedarf vor großen Herausforderungen. Die Arbeitsmarktstrategie 2025–2027 setzt auf nachhaltige Strukturen, partnerschaftliche Zusammenarbeit und gezielte Förderung von benachteiligten Zielgruppen. Besonders überzeugend: das Projekt „Wege in Beschäftigung“, das nach seiner Pilotierung nun dauerhaft vom Jobcenter umgesetzt wird.

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel
Bremen steht – wie viele Regionen Deutschlands – vor zwei eng miteinander verknüpften Herausforderungen: Einerseits steigt der Anteil älterer Menschen, wodurch der Pool potenzieller Erwerbstätiger schrumpft. Andererseits wächst der Bedarf an Fachkräften in Schlüsselbranchen wie Erziehung, Pflege, IT oder Handwerk.
Die Kombination aus demografischem Wandel, Strukturveränderungen und technologischem Fortschritt erfordert neue Ansätze zur Arbeits- und Fachkräftegewinnung. Die Arbeitsmarktstrategie 2025–2027 reagiert darauf, indem sie nicht nur klassische Förderprogramme einsetzt, sondern auch erfolgreiche Projekte systematisch verankert, unter anderem durch gemeinsame Finanzierung und engere Kooperation von Wirtschaft, Bildungsträgern und öffentlichen Institutionen.
Strategische Schwerpunkte
Die Strategie verfolgt drei zentrale Ziele: soziale Teilhabe sichern, Zugänge zu Beschäftigung verbessern und Benachteiligungen abbauen.
Im Fokus stehen zwei Förderschwerpunkte:
- Unterstützung benachteiligter Zielgruppen, etwa Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende oder Menschen mit Migrations- oder Fluchtbiografien.
- Fachkräftegewinnung und -sicherung, etwa durch Begleitung in Ausbildung, Qualifizierung un- oder angelernter Beschäftigter und Unterstützung internationaler Fachkräfte.
Ein Leitgedanke lautet: Projekte sollen dauerhaft wirken, nicht nur temporär. Dafür werden in den Haushaltsplanungen zusätzliche Mittel von insgesamt 38 Millionen Euro für 2026 und 2027 bereitgestellt. Die Umsetzung erfolgt ressortübergreifend in Abstimmung mit Agentur für Arbeit, den regionalen Jobcentern, Wirtschaft, Bildungsträgern und beiden Kommunen.
Handlungsfelder und Instrumente
Die Strategie gliedert sich in mehrere operative Handlungsfelder, die Fachkräftesicherung und soziale Teilhabe verbinden:
- Zielgruppenorientierte Förderung:
Fördermaßnahmen richten sich an Menschen mit Vermittlungshemmnissen, etwa langzeitarbeitslose oder geringqualifizierte Menschen, und sollen ihre Chancen auf reguläre Beschäftigung erhöhen. - Übergangs- und Brückenangebote:
Brückenangebote wie vorgeschaltete oder berufsbegleitende Qualifizierung, Coaching oder begleitete Praktika erleichtern den Übergang in den Arbeitsmarkt. - Qualifizierung und Weiterbildung:
Die Kompetenzen von Beschäftigten werden gezielt gestärkt, insbesondere im Zuge digitaler und ökologischer Transformationen. Bestehende Weiterbildungsangebote sollen stärker an den tatsächlichen Arbeitsmarktbedarfen ausgerichtet werden. - Fachkräftegewinnung und Diversifizierung:
Maßnahmen umfassen die Unterstützung ausländischer Fachkräfte, die Attraktivitätssteigerung von Ausbildungsberufen und die Erschließung verborgener Potenziale, beispielsweise bei Frauen. - Verstetigung und Steuerung:
Ein zentrales Merkmal der Strategie ist die geplante dauerhafte Verankerung erfolgreicher Projekte. Die Steuerung erfolgt über Kooperationsrunden und ressortübergreifende Verantwortung.
Beispiel: „Wege in Beschäftigung“
Das Projekt „Wege in Beschäftigung“ zeigt anschaulich, wie die Strategie praktisch umgesetzt wird. Es bietet einen niedrigschwelligen Zugang in die drei Arbeitsfelder Kita, Schule und Pflege, bei dem Teilnehmende individuell abgeholt, begleitet und passgenau unterstützt werden – von persönlicher Beratung über Qualifizierung bis hin zu praxisnahen Erfahrungen. Ein zentrales Element ist die enge Verzahnung mit Arbeitgeberinnen und -gebern, wodurch betriebliche Praxiserfahrungen frühzeitig gesammelt, Kontakte geknüpft und direkte Beschäftigungsperspektiven geschaffen werden.
Die Verbindung aus individueller Förderung und Praxisnähe hat sich als besonders wirksam erwiesen. Nach erfolgreicher Modellerprobung soll das Projekt nun unter dem Dach „Chance2Care“ in die Regelförderung des Jobcenters Bremen überführt werden. Hierzu werden die drei Maßnahmen „Perspektive Kita“, „Perspektive Schule“ und „Perspektive Pflege“ geschaffen. Damit ist nicht nur die längerfristige Finanzierung gesichert, sondern auch gewährleistet, dass das Angebot dauerhaft einen Beitrag zur Integration in Arbeit und zur Fachkräftesicherung leistet.
Ausblick
Mit der Arbeitsmarktstrategie 2025–2027 verfolgt Bremen einen klaren Kurs: Der Fachkräftemangel soll nicht nur kurzfristig abgefedert, sondern bestenfalls nachhaltig bewältigt werden. Projekte wie „Wege in Beschäftigung“ zeigen, dass verstetigte, wirkungsvolle Maßnahmen reale Chancen für Arbeitssuchende schaffen und den Wirtschaftsstandort stärken.
Bremen verbindet damit arbeitsmarktpolitische Innovation mit dem Ziel, Fachkräftegewinnung langfristig zu gewährleisten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.