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Alters- und generationengerechte Quartiersentwicklung in Baden-Württemberg
Quartiersentwicklung möchte Gemeinschaft jenseits familiärer Strukturen dort erlebbar machen, wo sie entsteht: in den Nachbarschaften, Dörfern oder Gemeinden. Die Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“ des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg hat das Ziel, Kommunen sowie die Zivilgesellschaft bei einer alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung vor Ort zu unterstützen und zu begleiten.

Baden-Württemberg und der demografische Wandel
Als drittgrößtes Flächenland in Deutschland umfasst Baden-Württemberg städtische Ballungszentren und ländliche Regionen, in denen zusammen etwa 11,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner leben. Laut Vorausberechnungen des Statistischen Landesamtes steigt die Anzahl an Menschen im Alter von über 65 Jahren von circa 2,3 Millionen in 2020 auf circa 3 Millionen in 2040.
Neben dem Älterwerden der Gesellschaft hat der demografische Wandel weitere Auswirkungen. Es gibt weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter, wodurch es unter anderem zu einem Fachkräftemangel in Pflegeberufen kommt. Gleichzeitig wird die Anzahl an Menschen mit Pflegebedarf bis 2050 vermutlich um etwa die Hälfte steigen. Aufgrund von vielfältigen Faktoren wie unter anderem jobbasierter Mobilität oder steigender Berufstätigkeit von Frauen kommt es zusätzlich immer mehr zum Wandel in der familiären Unterstützung.
Die meisten Menschen möchten auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung leben. Ländliche Regionen unterscheiden sich meist in Bezug auf beispielsweise Infrastruktur und Mobilität von Ballungszentren. Gerade Menschen mit eingeschränkter Mobilität, zu denen viele ältere Menschen gehören, sind besonders auf ihren Sozialraum, ihre Nachbarschaft, ein bedarfsgerechtes Wohnumfeld und eine bedarfsgerechte Infrastruktur angewiesen.
Recht auf soziale Teilhabe im Alter
Soziale Teilhabe im Alter bezieht sich laut UNECE auf die Integration älterer Menschen in soziale Netzwerke in der Familie und im Freundeskreis sowie ihre Integration in die Gemeinschaften, in denen sie leben, und in die Gesellschaft als Ganzes. Ältere Menschen haben das gleiche Recht auf und Interesse an Beteiligung und Mitverantwortung wie die restliche Gesellschaft. Besonders in der Nacherwerbsphase gewinnt die gegenseitige Unterstützung in der Nachbarschaft oder (Wahl-)Verwandtschaft an Bedeutung. Auch der Siebte Altenbericht befasst sich mit dem Thema der Teilhabe älterer Menschen. Unter dem Titel „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“ zielt er auf Beteiligung und Einbezug älterer Menschen ab sowie auf die Etablierung von Sorgestrukturen vor Ort.
Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“
Um genau diese soziale Teilhabe im Alter zu ermöglichen und um die Versorgung älterer Menschen sicherzustellen, fördert das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration seit 2017 die Entwicklung von Quartieren. Städte, Gemeinden, Landkreise sowie zivilgesellschaftliche Akteure werden durch die Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“ bei der Gestaltung von lebendigen Quartieren – also Nachbarschaften, Stadtteile und Dörfer, für alle Generationen – unterstützt.
Die Strategie verfolgt das Ziel der Gestaltung von alters- und generationengerechten Quartieren, in die Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen, sich gegenseitig unterstützen und begegnen. Die Diversität der Kommunen, ihrer Gegebenheiten, Herausforderungen und Potentiale wird in den vielfältigen Themen der Quartiersentwicklung abgebildet. Die Quartierstrategie verfolgt deshalb einen ganzheitlichen Ansatz mit acht Handlungsfeldern.

Um das genannte Ziel zu erreichen und die unterschiedlichen Handlungsfelder je nach Bedarf adressieren zu können, unterstützt die Strategie die Kommunen und ihre Bürgerschaft mit fünf Angebotsbausteinen: Information, Beratung, Qualifizierung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch, Förderung.

- Der Baustein Information beinhaltet unter andere eine Website und einen Newsletter mit Beiträgen und Praxisbeispielen zur (Weiter)Entwicklung und Gestaltung von Quartiersarbeit.
- Die Beratung findet in unterschiedlichen Bereichen und für unterschiedliche Akteurs-Zielgruppen statt. Um die baden-württembergischen Städte, Gemeinden und Landkreise bei ihrer Quartiersentwicklung zu unterstützen, wurde das Gemeinsame Kommunale Kompetenzzentrum Quartiersentwicklung (GKZ.QE) der Kommunalen Landesverbände gegründet. Auch die Fachstelle für ambulant unterstützte Wohnformen Baden-Württemberg, die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg oder die Landesarbeitsgemeinschaft der Mehrgenerationenhäuser stehen Interessierten zu ihren jeweiligen Schwerpunktthemen beratend zur Seite.
- Um die Verwaltung, zivilgesellschaftliche Akteure und Ehrenamtliche im Bereich der Quartiersentwicklung zu qualifizieren, werden von der Quartiersakademie des Kommunalverbands für Jugend und Soziales unterschiedliche Schulungs- und Qualifizierungsprogramme im Baustein Qualifizierung angeboten.
- Die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch zwischen den Akteuren der Quartiersarbeit fördert die Landesstrategie durch verschiedene Veranstaltungsformate wie den jährlichen Fachtag oder Regionalkonferenzen.
- Im Bereich der Förderung für Kommunen oder Zivilgesellschaft betreut die Allianz für Beteiligung e.V. die Förderprogramme „Quartiersimpulse“, „Gut Beraten! – Quartiersentwicklung“ und „Beteiligungstaler – Quartiersentwicklung“.
Bisher wurden bereits über 750 der 1101 Kommunen in Baden-Württemberg mit den Angeboten der Quartiersstrategie erreicht. Alleine mit den Förderprogrammen wurden bisher 675 Projekte mit einer bewilligten Fördersumme von circa 24,7 Millionen Euro unterstützt.