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Interview Veröffentlicht am:

„Demografischer Wandel: Der Saalekreis setzt auf Daten“

Dr. Christian Stößel erläutert als Demografiebeauftragter des Saalekreises, wie seine Region mit einem datenbasierten Ansatz die regionale Daseinsvorsorge zukunftsfähig gestaltet. 

Was bedeutet demografischer Wandel in Ihrer Kommune?

Der demografische Wandel wirkt sich nahezu auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus und stellt unseren ländlich geprägten Flächenlandkreis vor besondere Herausforderungen. Da die Strukturen und Rahmenbedingungen der kreisangehörigen Kommunen verschieden sind, ergeben sich auch lokal unterschiedliche Problem- und Fragestellungen. Um diesen angemessen begegnen zu können, braucht es spezifische und bedarfsorientierte Anpassungsmaßnahmen.

Durch seine Aufgabenstruktur und Überörtlichkeit übernimmt der Saalekreis hier eine systematisierende und bündelnde Funktion. Dafür benötigt er jedoch einen kleinräumigen Überblick über Bevölkerungsstrukturen und deren wahrscheinliche Veränderungen. Denn eine alternde Kommune muss andere Angebote entwickeln und vorhalten als eine mit jüngerer Bevölkerung.

Haben Sie eine Demografiestrategie? Bei welchen Themen setzen Sie Schwerpunkte?

Der Saalekreis verfolgt bei der Gewährleistung von gleichwertigen Lebensverhältnissen einen datenbasierten Ansatz. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit eine historisch gewachsene, soziale Infrastruktur künftig noch passgenau ist. Um dies zu beantworten, wurden verschiedene Anpassungsschritte vollzogen. Zunächst wurde das „Demografie-Monitoring“ aufgebaut, das kleinräumige Auswertungen und Bevölkerungsprognosen sowohl der Kreisverwaltung als auch den Kommunen zur Verfügung stellt. Zweitens erfolgte die indikatorenbasierte Einteilung des Landkreises in Sozialräume. Damit wurden die Planungsräume wie auch die soziale Infrastruktur einheitlich erfasst und digitalisiert. Der dritte Baustein war die Implementierung der Planungsanwendung „daviplan“. Dabei handelt es sich um ein digitales Planungstool, mit dem man bestehende Standort- und Angebotsstrukturen der aktuellen wie auch der zukünftigen Nachfrage gegenüberstellen und Anpassungsszenarien simulieren kann.

Was können andere Landkreise und Kommunen von Ihnen lernen? 

Die Schwierigkeit im Umgang mit dem demografischen Wandel liegt vor allem in seiner Abhängigkeit von den jeweiligen kommunalen Rahmenbedingungen. Insofern erfordern lokale Probleme auch lokale Lösungen. Unser Ansatz ist nicht ohne Weiteres in jede andere Region übertragbar. Dennoch sind die Erfahrungen mit einem schrittweise aufzubauenden, datenbasierten Ansatz für uns positiv. Er schafft Transparenz und Sachlichkeit in Debatten, die oft emotional geführt werden.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Eine ist sicher die Aufrechterhaltung der medizinischen Infrastruktur in besonders ländlich geprägten Räumen. Sowohl die hausärztliche als auch die zahnärztliche Einrichtungsstruktur wird sich in den kommenden Jahren merklich verändern. Auch wird die Zahl an Pflegebedürftigen stetig steigen. Hier ist fraglich, wie anpassungsfähig die regionale Pflegelandschaft mit Blick auf Arbeitskräftemangel und angespannte Finanzlagen sein kann.

Welche Projekte möchten Sie in den kommenden Jahren voranbringen?

Zunächst soll das digitale Planungstool „daviplan“ um weitere soziale Infrastrukturen erweitert werden. Eine Idee ist es hier, auch die Pflegeinfrastruktur zu integrieren und damit den Grundstein für eine kommunale Pflegeplanung zu legen. Darüber hinaus soll eine digitale Sozialberichterstattung entstehen, welche die bestehenden Bevölkerungsdaten um Indikatoren zu den Themen Erziehung & Bildung, Gesundheit & Pflege, Menschen mit Behinderungen und soziale Transferleistungen erweitert.

Kontakt

www.saalekreis.de/demografiebeauftragter

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