Regionales Projekt
Netzwerk Digitalambulanzen
Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven (Land Bremen) sowie das regionale Umfeld

Ziele
Erhöhung des Anteils älterer Menschen, welche digitale Dienste zur Kommunikation und sozialen Teilhabe nutzen, durch
- Entwicklung von zielgruppenspezifischen Angeboten zur Unterstützung der digitalen Teilhabe und flächendeckende Bereitstellung dieser Angebote in den beiden Stadtgemeinden,
- Ausrollen der entwickelten Ansätze, Erfahrungen und Erfolgsmodelle durch die Resonanzpartner in den ländlichen Raum,
- die Homepage als zentrale Anlaufstelle für Seniorinnen und Senioren und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für Fragen und Informationen rund um das Thema Digitalisierung,
- Befähigung (und Ausbildung) von Unterstützerinnen und Unterstützern für den Einsatz als Vermittler digitaler Kompetenzen sowie dem
- Aufbau eines Leihgerätepools, der den Zugang zu Endgeräten für Menschen mit weniger finanziellen Möglichkeiten erleichtert.
Beschreibung
Der Anteil älterer Nutzer von digitalen Medien sinkt mit zunehmendem Alter immer weiter ab (sogenannte Alterslücke).
Dabei steigt der Anteil der Personen, die bisher nicht an den digitalen Angeboten partizipieren (sogenannte Offliner), ab der Altersgruppe der über 70-Jährigen sprunghaft an. Während sich ihr Anteil bei den 65- bis 69-Jährigen noch auf 27 Prozent beläuft, sind bei den 75- bis 79-Jährigen schon 78 Prozent „Offliner“ und bei den über 80-Jährigen sogar 89 Prozent.
Hinzu kommt, dass der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung derzeit bei rund 23 Prozent (Stand: 2025) liegt und im Rahmen des demografischen Wandels weiter steigen wird. Diese Menschen werden angesichts der fortschreitenden Digitalisierung in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Teilhabe eingeschränkt oder sogar ausgeschlossen (digitale Spaltung). Dies ist zum einen ein Problem sozialer Chancengleichheit, zum anderen ist dies ein Hindernis für die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung und des Gesundheitswesens durch Digitalisierung. Diese kann nicht gelingen, wenn ein Drittel der Bevölkerung keinen Zugang zum Internet hat beziehungsweise nicht die notwendigen Kompetenzen besitzt, um Online-Verwaltungsleistungen in Anspruch zu nehmen.
Vor dem Hintergrund des Gesetzes zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG) und des Digitale-Versorgungs-Gesetzes (DVG) gewinnt dies zunehmend an Bedeutung. Open Government kann nicht alle Bürgerinnen und Bürger erreichen, wenn die Alterslücke nicht deutlich verkleinert wird und die Mehrheit der älteren Menschen an den Entwicklungen partizipieren kann.
In Bremen und Bremerhaven sollten zwei miteinander kooperierende lokale Netzwerke (Digitalambulanzen) für ältere Menschen aufgebaut werden. Zusammen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und weiteren lokalen Akteuren wurden innovative Angebote zur Unterstützung und Stärkung digitaler Teilhabe für Seniorinnen und Senioren entwickelt und erprobt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse, die durch die Begleitforschung durch das Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib) abgesichert wurden, sollten mit regionalen Partnern im Umland diskutiert und zudem für die Nutzung im ländlichen Raum bereitgestellt werden. Die uneingeschränkte Möglichkeit digitaler Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen ist eine fundamentale Voraussetzung für ein Gelingen des Open-Government-Ansatzes. Eine mit vielen Akteuren auf diesem Gebiet gemeinsam getragene Ko-Produktion eines flächendeckenden Angebots an Digitalambulanzen in den Stadtteilen der beiden Städte förderte daher den Open Government-Prozess in den beiden Kommunen sowie im regionalen Umfeld.
Die beiden lokalen Netzwerke sollten zum einen in Ko-Produktion erarbeitete zentrale Unterstützungsleistungen anbieten, um die vorhandenen Angebote in ihrer Wirkung und Reichweite zu verbessern. Zum anderen sollte die Erprobung neuer Formate zur Unterstützung bisher nicht erreichter älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger angeregt, finanziell gefördert und evaluiert werden.
Bei den Netzwerkmitgliedern wird zwischen Netzwerkpartner/-innen und Resonanzpartner/-innen unterschieden.
- Die Netzwerkpartner/-innen können an der Ausgestaltung der geplanten Maßnahmen mitwirken und sie unentgeltlich in Anspruch nehmen. Sie verpflichten sich zur Beteiligung an dem gemeinsamen Internetportal und zur Benennung einer Ansprechperson für die Kommunikation im Projekt, zur regelmäßigen Teilnahme an den Netzwerktreffen sowie zur Mitwirkung an der Projektevaluation.
- Die Resonanzpartner/-innen nehmen an den regelmäßigen Veranstaltungen teil und beurteilen jeweils die geplanten und vollzogenen Maßnahmen im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit auf den ländlichen Raum, wo die Probleme zwar größer, die Bedingungen für vielfältige Experimente jedoch weniger günstig sind. Die hier gewählte Konstellation und der geplante Wissens- und Ergebnistransfer sollen zu umfangreicheren und schnelleren Erkenntnissen führen, die für den ländlichen Raum relevant sind. Mit den hier gewonnenen Resonanzpartnern wird dabei auch der Weg in die Umsetzung geebnet.
Das Projekt war eines von 13 Open-Government-Laboren, die von 2020 bis 2022 durch das Bundesinnenministerium gefördert wurden. In diesen Projekten wurde erprobt, wie das Leitbild „Open Government“ vor Ort umgesetzt werden kann. Seit 2023 ist das Netzwerk nachhaltig in beiden Stadtgemeinden eingebunden.
In Bremen wird das frühere Netzwerk unter dem Namen „Digital Fit 60+“ vom Verband für sozial-kulturelle Arbeit (VskA) weitergeführt. In Bremerhaven besteht das „Netzwerk Digitalambulanzen“ weiterhin und wird vom Magistrat koordiniert.
Besonderheiten
Innovative Projekte innerhalb des Netzwerks wurden von der Koordinierung unterstützt und von der wissenschaftlichen Begleitforschung evaluiert, um die Formate an die Gegebenheiten in den unterschiedlich strukturierten Quartieren anzupassen.
Projektträger
- Bremen: Verband für sozial-kulturelle Arbeit e.V. (VskA)
- Bremerhaven: Magistrat der Stadt Bremerhaven