Regionales Projekt
Leih-Großeltern
Stadt Jena in Thüringen

Ziele
- individuelle Entwicklung von Kindern fördern
- die Pluralität familiärer Strukturen unterstützen
- soziale Barrieren durchbrechen
- Bildungskreisläufe aufbrechen
- gesellschaftliche Teilhabe ausbauen und den Senioren – auch nach dem Renteneintritt – das Gefühl geben, gebraucht und wertgeschätzt zu werden
Beschreibung
Ein wachsender Anteil der älteren Bevölkerung, die sinkende Geburtenrate und die steigende Mobilität der Menschen sorgen dafür, dass sich familiäre Verbindungen zunehmend verändern und die Beziehung zwischen der jungen und älteren Generation nicht mehr so stark ist wie in früheren Zeiten. Die Stadt Jena ist geprägt durch studentisches Leben und den Zuzug junger Familien aufgrund eines guten Arbeitsplatzangebots. Oft aber fehlt den zugezogenen Familien der familiäre Rückhalt, weil ihre nahen Familienangehörige, zumeist ihre eigenen Eltern, nicht vor Ort leben.
Viele ältere Menschen wiederum haben ihre eigenen Kinder und Enkelkinder nicht vor Ort und würden sich in ihrer freien Zeit gerne um die jüngere Generation kümmern. Deshalb ist es wichtig, dass ein sozialer Austausch zwischen jungen Familien und Senioren trotz fehlender familiärer Verbindung angeregt und individuelle Erfahrung mit den Kompetenzen verschiedener Generationen verknüpft wird.
Das Projekt „Leih-Großeltern“ des Vereins „Tausend Taten“ als Teil des Projektes „Co-Pilot“ startete im Herbst 2015 und verbindet drei Generationen (Kinder, Eltern, Großeltern) miteinander. Im Rahmen des Projekts werden vom Verein ehrenamtliche Patenschaften zwischen Kindern und Leih-Großeltern vermittelt. Leih-Großeltern sind ehrenamtliche Bezugspersonen für Kinder, die in regelmäßigen Treffen gemeinsam ihre Freizeit gestalten. In einem Erstgespräch werden interessierte Familien oder Senioren individuell und unabhängig beraten. In einem darauf folgenden Vermittlungsgespräch lernen sich Familien und interessierte Ehrenamtliche kennen. Beim Vermittlungstreffen wird eine Patenschaftsvereinbarung zwischen Leih-Großeltern und Erziehungsberechtigten abgeschlossen, in der die Kontaktdaten, Rahmenbedingungen der Patenschaft sowie Einzelfallregelungen festgehalten werden.
Die individuellen Kompetenzen, Interessen und Zeitbudgets der Leih-Großeltern stellen in Verbindung mit der familiären Situation und den Bedürfnissen der Kinder den Rahmen für eine beiderseits fruchtbare Patenschaft. Die ehrenamtliche Arbeit wird nicht vergütet, ist jedoch durch den Projektträger haftpflicht- und unfallversichert. Um einen kontinuierlichen Austausch zwischen allen Beteiligten sowie engen Bezug von Leih-Großeltern und Kind aufrecht zu erhalten, werden vom Verein Gemeinschaftsveranstaltungen wie Stammtische, Weihnachtsfeiern und Sommerfeste organisiert. Zudem stützen themenbezogene Weiterbildungen und regelmäßige Feedbacks die Arbeit der Ehrenamtlichen.
Besonderheiten
Das Projekt „Leih-Großeltern“ hat den 2. Preis bei der Verleihung des Thüringer Zukunftspreises 2016 für seinen Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels in Thüringen gewonnen.
Projektträger
Tausend Taten e. V.