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Bürgerschaftliches Engagement
Die Folgen des demografischen Wandels sind auch für das bürgerschaftliche Engagement und Ehrenamt von großer Bedeutung. So ist insbesondere die wachsende Gruppe älterer Menschen zunehmend engagiert. Bei den über 65-Jährigen ist ein starker Anstieg zu verzeichnen – bei sinkender Bereitschaft zu Übernahme von Verantwortung in Leitungs- und Vorstandsfunktionen. Gleichzeitig beklagen zivilgesellschaftliche Organisationen einen Mangel an jüngeren Engagierten.

Bei dieser Entwicklung setzt die im Jahr 2020 von der Bundesregierung errichtete Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) mit gezielten Programmen und Unterstützungsformaten an. Insbesondere jüngere Menschen (18 bis 27 Jahre) sollen seit 2022 mit dem Programm „FuturE“ erreicht werden. Das Programm unterstützt sie bei ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung und begleitet sie auf dem Weg in Leitungspositionen im Ehrenamt. Das Programm wurde in 2024 auch für Engagierte zwischen 55 und 68 Jahren geöffnet. Pro Jahr findet jeweils mindestens ein Durchgang für die beiden Altersgruppen statt.

Die DSEE unterstützt auch im Bereich der Digitalisierung vielfältig. Denn auch die Digitalisierung eröffnet neue Wege ins Engagement. Mittlerweile nutzen mehr als 57 Prozent der Engagierten das Internet im Rahmen ihrer freiwilligen Tätigkeit. Mit dem Programm 100xDigital hilft sie gemeinnützigen Organisationen, Lösungen für die Herausforderungen des digitalen Wandels zu entwickeln, Grundlagenwissen zu vermitteln und untereinander zu vernetzen. Die Community umfasst bereits über 500 Organisationen, die sich regelmäßig in Präsenz und digital trifft und sich austauscht. Spezifische Bedürfnisse der jeweiligen Altersgruppen werden sorgfältig berücksichtigt. Mit ihren Aktivitäten bietet die Stiftung für unterschiedliche Generationen somit passgenaue Angebote, mit denen sie in Zeiten des demografischen Wandels die älter werdende und lange ehrenamtlich aktive Zivilgesellschaft nachhaltig stärkt. Gerade für das Engagement in strukturschwachen und ländlichen Räumen, die vielfach besonders vom demografischen Wandel betroffen sind, sind die Angebote der Stiftung daher sehr wertvoll. Ein wichtiger Schlüsselbegriff ist dabei die generationenübergreifende und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Weitere Strategien und ausgewählte Projekte
Engagementstrategie des Bundes
Das Bundeskabinett hat am 4. Dezember 2024 die Engagementstrategie des Bundes beschlossen. Mit ihr hat die Bundesregierung ihren Auftrag aus dem Koalitionsvertrag der 20. Legislaturperiode erfüllt, gemeinsam mit der Zivilgesellschaft eine neue Engagementstrategie zu erarbeiten. Die Strategie knüpft an die im Jahr 2010 verabschiedete „Nationale Engagementstrategie der Bundesregierung“ an und löst diese ab.
Mit der Engagementstrategie des Bundes legt die Bundesregierung die Grundlage für eine zukunftsgerichtete Engagementpolitik. Übergeordnetes Ziel ist es, freiwilliges, auf den Werten der Verfassung ausgerichtetes Engagement für alle zu ermöglichen und dieses im Rahmen der verfassungsmäßigen Zuständigkeit des Bundes durch geeignete Rahmenbedingungen zu fördern und zu stärken. Die Strategie umfasst zahlreichende laufende und beabsichtigte Vorhaben, um die mit der Strategie verfolgten fünf strategischen Ziele zu erreichen: (1) Freiwilliges Engagement in Krisenzeiten und Transformationsprozessen stärken, (2) Teilhabe ermöglichen – Vielfalt anerkennen, (3) Strukturellen Herausforderungen für freiwilliges Engagement begegnen, (4) Digitale Transformation der Zivilgesellschaft begleiten und (5) Engagement über Grenzen hinweg ermöglichen.

Das BMFSFJ hat der Arbeit an der Engagementstrategie einen einjährigen zivilgesellschaftlichen Beteiligungsprozess vorangestellt. Über die verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und des BMFSFJ sind unzählige Vorschläge eingegangen, wie die Bundesregierung das freiwillige Engagement stärken und zukunftssicher unterstützen kann. Auch die Länder wurden eingeladen, ihre vielfältige Expertise und Erfahrungen in den Prozess einzubringen. Der Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“ des Deutschen Bundestags hat den Beteiligungsprozess mit Fachgesprächen begleitet. Auch demografierelevante Themen sowie damit vertraute Akteure (zum Beispiel Verbände der freien Wohlfahrtspflege) haben eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Engagementstrategie gespielt.
Engagementberichterstattung
Die Engagementberichte der Bundesregierung sind eine Bestandsaufnahme zur Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung 2009 damit beauftragt, in jeder Legislaturperiode einen Bericht zur Lage des bürgerschaftlichen Engagements vorzulegen. Der Bericht soll die Entwicklung einer nachhaltigen Engagementpolitik unterstützen und dazu beitragen, in der Gesellschaft vorhandene Potenziale für bürgerschaftliches Engagement zu entfalten. Erstellt wird er von einer unabhängigen Sachverständigen-Kommission. Das Gutachten der Sachverständigen wird durch eine Stellungnahme der Bundesregierung ergänzt. Der aktuelle Vierte Engagementbericht hat den inhaltlichen Schwerpunkt „Zugangschancen zum freiwilligen Engagement“.
Menschen stärken Menschen
Das Bundesprogramm unterstützt Patenschaften, in denen sich Menschen für andere Menschen einsetzen wollen und in denen persönliche Beziehungen Türen zu gleichberechtigter Teilhabe öffnen. Über zwischenmenschlichen Kontakt bei ganz alltäglichen Dingen können Patenschaften Teilhabechancen verbessern und zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen.
„Menschen stärken Menschen“ startete Anfang 2016 als Patenschaftsprogramm. Ziel war es, das ehrenamtliches Engagement in Patenschaften/Mentoring-Beziehungen zwischen geflüchteten und hier lebenden Menschen zu unterstützen. 2018 erfolgte eine Erweiterung um die sogenannten „Chancenpatenschaften“, mit denen auch Patenschaften für Menschen geschlossen werden, denen eine Perspektive für die Zukunft fehlt oder die durch andere Angebote nur schwer zu erreichen sind. Das Programm wird zurzeit von 24 Trägerorganisationen (unter anderem Migrantenorganisationen, Wohlfahrtsverbände, Stiftungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Mehrgenerationenhäuser) mit insgesamt rund 900 lokalen Unterstrukturen umgesetzt. Seit dem Start von „Menschen stärken Menschen“ konnten mehr als 260.000 Patenschaften (Stand: März 2025) gestiftet werden.
Netzwerkprogramm „Engagierte Stadt“ und Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Die „Engagierte Stadt“ ist ein erfolgreiches Netzwerkprogramm, das neue Kooperationen etabliert und damit bürgerschaftliches Engagement vor Ort stärkt. Das Ziel des Netzwerkprogramms ist neben der Stärkung der kommunalen Infrastruktur auch die Erprobung neuer Formen der strategischen Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Die Engagierte Stadt setzt auf das sektorenübergreifende Zusammenwirken der Akteure aus Zivilgesellschaft, öffentlicher Verwaltung und Unternehmen. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass Bürgerinnen und Bürger vor Ort gute Bedingungen vorfinden, um sich aktiv einzubringen. Engagierte Städte profitieren vom bundesweiten Austausch erprobter Praxislösungen und der Vielfalt lokaler Konzepte. Das Netzwerkprogramm unterstützt den Aufbau bleibender Engagement-Landschaften in Städten und Gemeinden in Deutschland.
Der Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist die vermutlich größte bürgerschaftliche Bewegung in Deutschland und verbindet gesellschaftlichen Zusammenhalt und nachhaltige Dorfentwicklung. Interessierte Menschen, engagierte Dorfgruppen und Vereine wirken mit bei der Gestaltung der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Entwicklung ihrer Heimat.
Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander
Als Begegnungsorte stärken die bundesweit rund 530 Mehrgenerationenhäuser das nachbarschaftliche Miteinander aller Generationen sowie das freiwillige Engagement und tragen zu mehr Lebensqualität in den Kommunen bei.
Mithilfe von fast 30.000 freiwillig Engagierten erbringen sie bundesweit mehr als 33.000 Angebote. Sie unterstützen Menschen bei der aktiven Mitgestaltung ihres Sozialraums und wirken Einsamkeit entgegen. In enger Zusammenarbeit mit ihren Kommunen und zahlreichen Kooperationen mit lokalen und regionalen Akteuren aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft richten sie ihre Arbeit an den jeweiligen Bedarfen aus. Hierzu sind sie in diversen Handlungsfeldern tätig – wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Pflege, selbstbestimmtes Leben im Alter, jugendgerechte Gesellschaft, generationenübergreifende (digitale) Bildung und Freizeitgestaltung, Unterstützung von politischer Teilhabe und Bürgerbeteiligung, ökologische Nachhaltigkeit und vieles mehr. Im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus wird auch der im Rahmen der AlphaDekade vom BMBF finanzierte Sonderschwerpunkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ umgesetzt.