Miteinander der Generationen – Quartiersentwicklung und Wohnungsbau
Quartiersentwicklung und Wohnungsbau müssen aktuell einer alternden und vielfältigeren Bevölkerung, neuen Lebensentwürfen und dem Bedürfnis nach Nachbarschaft, Gemeinschaft und Inklusion gerecht werden. Sie sollen adäquate Wohnformen und eine hohe Lebensqualität drinnen wie draußen bieten. Dies gilt für künftige Wohnsiedlungen und Quartiere wie auch für bestehende, für urbane Viertel wie auch für gewachsene Ortskerne im ländlichen Raum.
Dazu gehören Maßnahmen, die zum Beispiel das Wohnumfeld kommunikativer und barrierefrei gestalten. Maßnahmen, die Erdgeschosszonen für die Gemeinschaft nutzbar machen und beleben oder aber Angebote und Dienstleistungen im Quartier, die zum Beispiel älteren Mitbürger*innen Teilhabe ermöglichen.
Zweiter Hessischer Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau vergeben
2021 lobte das Land zum zweiten Mal den „Hessischen Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau“ aus, unter dem Motto „Miteinander der Generationen im Quartier“. Gesucht wurden Konzepte oder Konzeptansätze für generationengerechtes Wohnen im Quartier. Der Preis war mit 75.000 Euro Preisgeld ausgestattet. Damit wollte das Land die weitere Ausarbeitung und Konkretisierung konzeptioneller Überlegungen unterstützen und so zu deren Verwirklichung im Quartier beitragen.
Die Jury hatte für das Miteinander der Generationen im Quartier drei gleichwertige erste Preise über jeweils 20.000 Euro verliehen und drei Anerkennungen ausgesprochen. Prämiert wurden Konzepte in großen wie kleinen Städten, die erschwinglichen, bedarfsgerechten und attraktiven Wohnraum bieten und gleichzeitig neue Wege für Weiterentwicklung und Umgestaltung von Wohnquartieren aufzeigen, damit dort junge und alte Menschen, Menschen mit unterschiedlichen Lebensstilen und Menschen unterschiedlicher Herkunft gut zusammenleben können.
Langen erhielt einen 1. Preis für die „Anna Sofien Höfe“ der Baugenossenschaft Langen. Hier handelt es sich um eine Ersatzbebauung für ein Bestandsquartier aus den 1950er Jahren, die nun Gemeinschaftseinrichtungen miteinschließt, zum Beispiel die Anlaufstelle eines Vereins, Gästeappartments und eine gemeinsame Dachterrasse. All das wird realisiert, ohne dass die Mieten erhöht werden.
Allendorf (Lumda) erhielt einen 1. Preis für das Vorhaben „Hand in Hand – Neue Altstadt“. Eine genossenschaftliche Initiative für generationenübergreifendes Leben engagiert sich für eine altersgerechte Umgestaltung der Ortsmitte im historischen Kern der kleinen Stadt im ländlichen Raum. Dabei wird die historische Bausubstanz mit leerstehender Scheunen über Ankauf, Umbau, Vermietung und Beratung neu genutzt. Den privaten Grundstücken kommt hier eine tragende Rolle zu: Sie sollen künftig ohne Zäune durchlässig und schwellenlos als Bürgergarten genutzt werden.
Weimar (Lahn) war die dritte Kommune, die einen 1. Preis erhielt. Ausgezeichnet wurde der Projektverbund „Gut Wohnen im Alter“. Hier sollen die dörflichen Kerne mehrerer Ortsteile sukzessive demografiegerecht und integrativ umgestaltet werden. Neben der Sicherung der Alltagsversorgung steht vor allem die Schaffung von bedarfsgerechten, differenzierten Wohnangeboten in umgebauten Hofreiten für alle Bewohnergruppen im Fokus. In einem Wettbewerb sollen zudem Lösungen für die baukulturell anspruchsvolle Aufgabe gefunden werden, den dörflichen Gebäudebestand um neue Wohngebäude zu ergänzen. Außerdem soll ein Bürgerhaus aus den 1980er Jahren mit den typischen baulichen Merkmalen dieser Zeit zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden.
Die 2020 eingereichten Beiträge haben einen vielfältigen Maßnahmen- und Ideenpool geliefert, durch den der eine oder andere private oder gemeinnützige Träger wie auch öffentliche Wohnungsbauunternehmen angeregt werden können, ähnliche Maßnahmen umzusetzen.
Gute Beispiele aus Hessen
Die Dokumentation des Wettbewerbs stellt die acht Beiträge vor, die für die finale Auswahlrunde nominiert worden waren. Angereichert wird die Dokumentation durch ein Interview mit Dr. Robert Kaltenbrunner und Prof. Constanze Petrow sowie durch Fachbeiträge zur zukunftsweisenden Quartiersentwicklung von Natalie Schaller („Vernetzung und Nachbarschaften von Beginn an. Konsortiale Quartiersentwicklung am Beispiel des Prinz Eugen Parks in München“), von Dr. Maren Heincke ("Besonderheiten der Gemeinwesenarbeit in ländlichen Räumen") und von Bertram Kasper („Wie sich die ‚jungen Alten‘ neu erfinden: Utopien und Pioniergeist sind gefragt!“).
Das Land Hessen hat gute Beispiele für „Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau“ weiter im Blick und hat den Hessischen Preis Ende 2021 zum dritten Mal ausgelobt, dieses Mal unter dem Motto „Kreativer Umgang mit dem Bestand – Umnutzung von Nichtwohngebäuden zu Wohnraum“.
Beratungsstelle für gemeinschaftliches Wohnen
Die Landesberatungsstelle ist ein Koordinierungs- und Beratungsangebot zur Unterstützung gemeinschaftlichen Wohnens in Hessen. Mit ihr fördert das Land Hessen seit 2021 das Engagement von Wohninitiativen, die verschiedene Formen des Zusammenlebens in Stadt und Land ermöglichen.
Gemeinschaftliche Wohnprojekte bauen gezielt Nachbarschaften auf, teilen sich Aufgaben der Alltagsorganisation und stellen damit auch ein Angebot für das Älterwerden im vertrauten Umfeld dar. Die Beratungsstelle unterstützt Wohninitiativen und -projekte bei ihrer Weiterentwicklung und fördert Aufbau und Vernetzung lokaler Strukturen. Kommunen dient sie als Ansprechpartnerin für die Verbesserung der Rahmenbedingungen gemeinschaftlicher und innovativer Wohnformen.
Um möglichst lange selbstständig im gewohnten Umfeld zu bleiben, fördert die Landesregierung die Beratung älterer Menschen rund um die Themen Wohnungsanpassung, barrierefreies Wohnen, technische Unterstützungsmöglichkeiten im Alter und Wohnformen.
Das gute und selbstbestimmte Leben im Alter ist eine wesentliche Leitidee der aktiven Demografiepolitik der Hessischen Landesregierung. Sie bildet daher einen Schwerpunkt in der Hessischen Demografiestrategie im Handlungsfeld „Älter werdende Gesellschaft“.
Um den Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflege-, Alten-, und Behinderteneinrichtungen in Hessen Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung 10.000 Tablets zur Verfügung gestellt.
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