Volle Fahrt voraus zum AusbildungsplatzProjekt AzubiShuttle
Das AzubiShuttle im Landkreis Rhön-Grabfeld bringt Auszubildende zu ihrer Ausbildungsstätte, wenn es keine Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr gibt.
Viele Azubis kennen das Problem: Sie wollen eine Ausbildung anfangen, wissen aber nicht, wie sie ihren Ausbildungsplatz erreichen sollen. Eine Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gibt es nicht, an Führerschein oder gar ein Auto ist oftmals zu Beginn der Ausbildung noch gar nicht zu denken.
„Oftmals führen diese Umstände dazu, dass Ausbildungsverträge gar nicht erst abgeschlossen werden“, so Bruno Werner, Kreishandwerksmeister im Landkreis Rhön-Grabfeld.
Genau aus diesem Grund bietet der Landkreis Rhön-Grabfeld im nördlichen Unterfranken erstmalig zum Ausbildungsstart im September 2020 das AzubiShuttle an. Mit diesem Angebot können Auszubildende alle Orte und Ausbildungsbetriebe im Landkreis erreichen. Die zunächst vier eigens angeschafften Kleintransporter befördern die Auszubildenden auf individuell angepassten Routen in ihre jeweiligen Lehrbetriebe. Die Spielregeln dabei sind einfach: Ausbildungsbetriebe und Auszubildende müssen in einer Pendelbeziehung stehen, die sich mit dem bereits existierenden ÖPNV-Plan nicht abbilden lässt. Die Auszubildenden buchen ein Jahresticket, welches auf das Lehrjahr bezogen ist. Die Kosten liegen hierfür bei monatlich 44 Euro für die einfache Fahrt und bei 66 Euro, wenn auch eine Rückfahrt mit dem AzubiShuttle gewünscht wird.
„Mit dem AzubiShuttle wollen wir Pionierarbeit in der Organisation des ÖPNV leisten, denn dieses Projekt ist aktuell bundesweit einmalig. Wir wollen den Auszubildenden die Anfahrt zu den Ausbildungsbetrieben in den mit dem öffentlichen Nahverkehr nur schwer erreichbaren Orten ermöglichen. Ich freue mich sehr, dass wir die heimischen Unternehmen mit dem AzubiShuttle bei der Nachwuchsgewinnung unterstützen können“, so Landrat Thomas Habermann.
Da die Auszubildenden in den unterschiedlichsten Ortschaften im Landkreis wohnen, war die Organisation und die Erstellung der Fahrpläne alles andere als einfach. Der Nahverkehrsbeauftragte des Landkreises Ronald Ziegler erarbeitete Routen und Zeitpläne, die alle jungen Fahrgäste pünktlich zum Arbeitsbeginn in ihren Lehrstätten ankommen lassen.
Das AzubiShuttle wird sehr gut angenommen; für das aktuelle Lehrjahr sind die Plätze bereits ausgebucht. „Einige Auszubildende haben die Ausbildung nur wegen der Möglichkeit des AzubiShuttle antreten können“, weiß Dr. Jörg Geier, Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung im Landratsamt Rhön-Grabfeld. So erging es auch einer jungen Auszubildenden aus Aub: Ohne das AzubiShuttle hätten ihre Eltern täglich über 120 Kilometer mit dem Auto zurücklegen müssen, um ihr die Ausbildung im 30 Kilometer entfernten Metallbaubetrieb zu ermöglichen.
Auch von Maurer- und Betonbauermeister Martin Wirsing aus Wülfershausen a. d. Saale fällt das erste Fazit zum Angebot des Landkreises positiv aus: „Das AzubiShuttle hat sich bisher gut bewährt und ist auf jeden Fall eine Erleichterung“. Sein Auszubildender, der in einem kleinen Dorf ohne Anbindung zum Ausbildungs-ort wohne, werde direkt vor dem Betriebsgelände abgesetzt und sei so immer rechtzeitig da.
Ein weiterer, positiver Effekt: Als einziger Landkreis Unterfrankens verzeichnet Rhön-Grabfeld heuer keine deutliche Reduktion der Auszubildenden im Handwerksbereich, sondern kann sogar einen Anstieg der besetzten Lehrstellen vermelden.
Gefördert wird das AzubiShuttle durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Programms „LandMobil – unterwegs in ländlichen Räumen“ mit einer Summe von rund 170.000 €. Mittels dieses Projektes unterstützt das BMEL beispielhafte Projekte, die die Mobilität von Menschen in ländlichen Räumen verbessert und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Teilhabe und Daseinsvorsorge leisten.
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