Im Leipziger Westen leben im Vergleich zu anderen Stadtteilen die ältesten Einwohnerinnen und Einwohner Leipzigs. Auch die ehrenamtlichen Reparaturhelferinnen und Reparaturhelfer im Café kaputt und die Menschen, die die wöchentlich stattfindenden Reparatur-Sprechstunden besuchen, haben einen höheren Altersdurchschnitt.
Zudem ist in unserer Stadtgesellschaft, vor allem in den älteren Generationen, Vereinzelung und Einsamkeit ein psychischer Risikofaktor. Wobei insbesondere ältere Menschen ein umfängliches Wissen über Reparatur haben und viele handwerkliche Fähigkeiten erlernt haben. Dieses wird aufgrund vieler Faktoren, wie des Fachkräftemangels, weniger weitergegeben und geht teilweise verloren.
In Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit herrscht dringender Bedarf an tragfähigen Visionen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Dazu braucht es mehr breitenwirksame Sensibilisierung für diese Themen und vor allem Orte, an denen Bürgerinnen und Bürger aktiv werden und sich generationen- und milieuübergreifend dazu austauschen, um von und miteinander etwas zu verändern. Denn nicht alle Menschen haben den gleichen Zugang zu Umweltbildungsthemen. Viele Angebote erreichen nur eine bestimmte Zielgruppe, die bereits einen umfänglichen Zugang zu Klima- und Ressourcenschutzthemen hat.
Ziele
Im Café kaputt bringen wir Menschen zusammen, stärken die Reparaturkultur in Leipzig und setzen uns gemeinsam für globale Gerechtigkeit und Ressourcenschutz ein:
Reparaturwissen weitergeben und damit Abfall vermeiden und Ressourcen schützen
Zugangsbarrieren abbauen, damit alle ihr Recht auf Reparatur im Café kaputt einfordern können
Reparaturtechniken in kostenfreien Praxisworkshops vermitteln
Gemeinsam reparieren und den intergenerationellen Dialog fördern
weitere Reparaturcafés bei der Gründung beraten und die Idee von „Reparieren für Alle!“ verbreiten
sich für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung einsetzen und mit Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit Leipzig auf dem Weg zur Zero Waste City begleiten
Konzept
Das Café kaputt bietet eine offene und barrierefreie Reparaturwerkstatt, die es jedem Menschen erlaubt, seine kaputten Gegenstände selbst zu reparieren. Ehrenamtliche Expertinnen und Experten helfen den Nutzerinnen und Nutzern bei ihren Reparaturen mit ihren Fachkenntnissen und Fertigkeiten. Repariert wird fast alles, was die Nutzerinnen und Nutzer selbst in die Werkstatt bringen können, von der Nagellackabfüllmaschine über den Liegestuhl bis zur gerissenen Jeans. Den höchsten Bedarf an Reparatur sehen wir bei uns in den Elektro-Reparatursprechstunden.
Das Café kaputt ist ein intergenerationeller Lernort, an dem Reparaturtechniken vermittelt und erhalten bleiben. Viele unserer Reparaturhelfenden haben aufgrund ihres Alters einen großen Erfahrungsschatz an Reparaturwissen, den sie an jüngere Generationen weitergeben können.
Im besonderen Maße wird im Café kaputt Wert auf Inklusion gelegt. Barrieren wurden und werden abgebaut, zum Beispiel durch Sprachmittlerinnen und Sprachmittler, kontrastreiche Beschilderung (oft mit Piktogrammen) oder die durchgängig Rollstuhl-geeigneten Räume. Abseits des Reparaturbetriebs engagiert sich das Café kaputt für das Recht auf Reparatur, Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung. Mehrmals im Jahr werden Praxisworkshops zu Themen wie Upcycling, Abfallvermeidung, Energie sparen, 3D-Druck oder anderen Reparaturtechniken organisiert.
Wir wollen mit unseren Angeboten im Café kaputt die Teilhabe von Menschen verschiedener Milieus und Altersgruppen erreichen, damit sie sich mit ihren Ideen für eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft einsetzen können. Denn tragfähige Visionen für eine zukunftsfähige Stadt können sich nur entwickeln, wenn alle Menschen daran beteiligt sind.
Aktivitäten und Ereignisse
2022 wurde das Café kaputt mit dem Leipziger Zukunftspreis in der Kategorie „Engagiert in Leipzig!“ ausgezeichnet.
2023 erhielten die Ehrenamtlichen den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Grenzen überwinden“.
Besonderheiten
„Reparieren für alle!“ ist seit jeher unser erklärtes Ziel. Seit unserer Eröffnung im Jahr 2014 arbeiten wir daran, Barrieren in unserem Projekt abzubauen. Wir setzen zum Beispiel Sprachmittlerinnen und Sprachmittler ein, um Sprachbarrieren zu verringern, oder bieten Sprechstunde mit Verdolmetschung in Deutscher Gebärdensprache an. Auch die mitwirkenden Ehrenamtlichen sind in ihrer Vielfalt und Diversität unvergleichlich. Die regelmäßig stattfindenden Sprechstunden sind für Reparatur Initiativen nicht selbstverständlich und in Leipzig ein besonderes Angebot. Damit zählt das Café kaputt zu einem der „größten“ Reparatur-Initiativen Deutschlands.
Finanzierung
Umweltamt der Stadt Leipzig; Heidehof Stiftung; Sozialamt Leipzig; Stiftungsfonds Sonnige Aussichten und Stiftungsfonds ökosozial der GLS Treuhand Aktion Mensch; Stadtbezirksbudget; einzelne private Fördermitglieder
Im sächsischen Erlau ist in einem alten Bahnhofsgebäude ein neues Ortszentrum mit Kultur- und Freizeitangeboten, Seniorentagespflege und Zahnarztpraxis entstanden.
Im ROWI Stadtbüro als Anlaufstelle für alle Generationen können sich besonders ältere Bürgerinnen und Bürger niedrigschwellig mit Beratungsanliegen an die Mitarbeiterinnen wenden oder vom abwechslungsreichen Veranstaltungsangebot profitieren.
Mit der Förderrichtlinie Demografie unterstützt der Freistaat Sachsen vor allem in den ländlichen Regionen jedes Jahr Projekte, die dazu beitragen, den demografischen Wandel vor Ort zu gestalten.
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